Ja, die Bundeswehr hat einen eigenen Fernsehkanal. Die Zuschauerzahlen sind allerdings verschwindend gering, kaum einer kennt das Bundeswehr-Fernsehen, das das Kürzel bwtv trägt. . Daher hat,
nach einem Bericht im „Stern“, der Bundesrechnungshof vor kurzen verlangt, darzulegen, dass der „Einsatz eines bundeswehreigenen Fernsehens wirklich notwendig ist“.
Das wird allerdings nicht leicht zu beweisen sein, denn weder von Wissenschaftlichkeit und schon gar nicht von Aktualität kann beim bwtv die Rede sein. Gezeigt werden oft vor 40 Jahren gedrehte
„Propaganda“- Filme der Bundeswehr, die neben praktisch unhaltbaren historischen Behauptungen auch noch mit mangelndem Unterhaltungswert glänzen. Daneben laufen noch ein paar keinesfalls als
interessant zu bezeichnende Dokumentationen über Bundeswehrgerät, die dann schon mal durchaus bis zum Abwinken wiederholt werden. Von den eigentlich geplanten „aktuellen und situationsbedingten
Informationsinhalten“ ist allerdings ebenso nichts zu merken, wie von der geplanten „politischen Bildung der Truppe“.
Dabei wäre das bwtv noch gar nicht so alt: Es wurde erst 2002 vom Verteidigungsministerium mit großen Hoffnungen in die Welt gestellt, der damalige Verteidigungsminister Peter Struck war daran
maßgeblich mitbeteiligt.
Einer der begeistertsten Anhänger des bwtv ist der Generalinspekteur der deutschen Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, der sich das bwtv um keinen Preis nehmen lassen will. Er findet es ein
wichtiges Medium, um „Soldaten und Soldatinnen im Einsatz bedarfs-und situationsgerecht zu informieren und zu unterhalten“. Allerdings ist es auch mit dem informieren nicht so weit her – von der
Bekanntgabe und Begründung des Verteidigungsministers über die Erhöhung des deutschen Truppenkontingents in Afghanistan war auf bwtv leider gar nichts zu sehen, und, wie „Stern“ berichtet,
arbeitet das gesamte Fernsehteam, das aus 120 Mitarbeitern, die in der Nähe von Bonn stationiert sind, besteht, auch grundsätzlich an Wochenenden nicht – ganz im Gegensatz zu jedem anderen
Fernsehsender auf der der ganzen Welt.
Der ursprüngliche Zweck des immer noch als „Pilotversuch“ bezeichneten Projekts, war ein Medium, das speziell für Soldaten auf Auslandseinsätzen gedacht war – was mittlerweile aber erwiesenermaßen
nicht funktioniert, allein schon auf Grund der Empfangssituation. Darüber hinaus verfügen vielerorts auch nur die höheren Dienstgrade über Fernsehgeräte, dem einfachen Soldaten bleibt bwtv damit
sowieso verwehrt.
Die Oberaufsicht für den Inhalt und das Programm liegt bei der Pressestelle in Berlin, die Mitarbeiter der Studios unterstehen jedoch dem Streitkräfteamt in Köln, und sind an keine Weisungen
seitens der Pressestelle gebunden.
Die hohen Kosten für das Projekt, die mit etwa 8,9 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen, was fast die Hälfte des gesamten Medien-Etats der Bundeswehr ausmacht, haben den Rechnungshof auf den
Plan gerufen, die Wirtschaftlichkeit zu überprüfen: demgegenüber stehen nämlich Zuschauerzahlen, die gegenüber den Kosten fast obskur anmuten. Und nach einer Studie des sozialwissenschaftlichen
Instituts der Bundeswehr zeigen die Soldaten praktisch nur verschwindendes Interesse am verstaubten Programm.